Die Villa Berg – Ein vergessenes Anwesen?

Am 01. Januar 2016 kaufte die Stadt Stuttgart die Villa Berg, eine ehemalige Sommerresidenz des Königs Karl von Württemberg. Die nahe dem Stuttgarter Stadtzentrum gelegene Villa hat seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1853 Einiges durchlebt. Heute verfällt das einst eindrucksvolle Bauwerk, das von einer großen Parkanlage umgeben ist. Nach Jahren des Zerfalls haben die Stuttgarter jetzt jedoch verstanden, welches Potential in dem geschichtsträchtigen Gebäude steckt.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Villa Berg wurde 1853 nach 7 Jahren Bauzeit fertiggestellt. Der damalige Kronprinz Karl, später König von Württemberg, beauftragte den damals sehr berühmten Architekten Christian Friedrich von Leins mit dem Bau seiner Residenz im Stil der Neorenaissance. Viele geschichtsträchtige Persönlichkeiten trafen sich in Karls Anwesen. Zum Beispiel Zar Alexander und Kaiser Napoleon Bonaparte im Jahr 1857, um Friedensgespräche nach dem Krim-Krieg aufzunehmen. Zu dieser Zeit war die Villa noch von einer großen Parkanlage im Französischen und Englischen Stil umgeben und königlich eingerichtet.

Zu Zeiten des ersten und zweiten Weltkrieges jedoch verlor das Anwesen seinen königlichen Glanz. 1915 übernahm die Stadt Stuttgart die Residenz zum ersten Mal. Sie wurde zunächst zum Verarzten von Kriegsverletzten genutzt und im zweiten Weltkrieg schließlich von den Bombenangriffen der Alliierten zerstört. Zwar wurde sie wieder aufgebaut, jedoch nicht vollständig. Nach den Kriegen wurde sie jahrzehntelang von verschiedensten Radiosendern genutzt und geriet immer mehr in Vergessenheit.

Wie Stuttgart erneut Besitzer der Villa Berg wurde

2007 kaufte ein privater Investor die Villa auf, jedoch musste er schon nach kurzer Zeit Konkurs anmelden und das Anwesen wieder verkaufen. Bis 2016 war die Zukunft der Villa Berg ungewiss. Während dieser Zeit durchlebte die einstige Sommerresidenz einen starken Zerfallsprozess. Glücklicherweise erregte das die Aufmerksamkeit der Stuttgarter Bürger, welche sich mehr und mehr für den Erhalt der Villa einsetzten und für eine öffentliche Nutzung der Residenz stimmten. Am 01. Januar 2016 gab die Stadt Stuttgart schließlich dem Druck der Bürger nach und kaufte die Villa zum zweiten Mal für gerade mal 300.000 Euro.

Hier Eindrücke des aktuellen Zustandes der Villa Berg

Die Bürger bestimmen mit

Seit der Übernahme der Villa vor mittlerweile fast zwei Jahren wird viel darüber diskutiert, wie das Anwesen öffentlich genutzt werden kann. Es entstanden mehrere Bürgervereinigungen, die sich regelmäßig mit den Lokalpolitikern austauschten und berieten. Nun plant man, die einstige Sommerresidenz als „offenes Haus für Musik und Mehr“ zu verwenden, zwischen 2020 und 2022 könnten entsprechende Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Dieser und weitere Vorschläge wurden bereits oder werden derzeit von einem Nürnberger Architektenteam auf Machbarkeit, Arbeits- und Kostenaufwand geprüft. Gerne würden die Bürger alleine über die Zukunft der Villa Berg entscheiden, schließlich wird sie für jedermann zugänglich sein, das letzte Wort hat jedoch nach wie vor die Stadtverwaltung. Auch darüber, ob man das Anwesen als „Haus der Musik“ verwenden soll, herrscht zwischen den Bürgerbewegungen noch keine vollständige Einigkeit. Es bleibt also unklar, wie genau es zukünftig weitergehen soll, jedoch ist langsam eine klare Richtung abzusehen und man darf optimistisch sein, dass bald endgültig entschieden wird.

Neben dem endgültigen Verwendungszweck gibt es Überlegungen, wie die Villa Berg bis zum Ende möglicher Baumaßnahmen zwischenzeitlich anderweitig genutzt werden kann. Aufgrund des maroden Zustandes und der defekten Haustechnik wird man sie wohl nur äußerlich nutzen können. Der Stuttgarter Bürgermeister hat auf den erheblichen Mehrkosten-Aufwand eines zwischenzeitlichen Umbaus aufmerksam gemacht, der dem Nutzen einfach nicht entsprechen würde. Jedoch sei es durchaus möglich, die verwitterte Parkanlage wieder zu pflegen. Diese ist ebenfalls stark verwittert und birgt neben dem Stuttgarter Stadtpark großes Potenzial als Naherholungsziel. In Zukunft könnte es sogar einen neuen Steg über den Neckar geben, durch den Fußgänger und Radfahrer direkt zur Parkanlage der Villa Berg gelangen könnten. Dazu gibt es jedoch aktuell nur erste Konzepte.

Nachdem es einige Jahre lang fast so erschien, dass die Villa Berg mit ihrem bedeutenden historischen Hintergrund in Vergessenheit geraten würde, so scheint ihre Zukunft jetzt gesichert.

Hier Bilder der Parkanlage um die Villa

 

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